DGNB veröffentlicht Wegweiser zu einem klimapositiven Gebäudebestand

Der Bau- und Immobiliensektor steht vor einer gewaltigen Aufgabe: die Transformation des gesamten Gebäudebestands in Richtung Klimaneutralität. In ihrer neuesten Publikation „Wegweiser Klimapositiver Gebäudebestand" benennt die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) konkrete Handlungsfelder sowie die wichtigsten Maßnahmen, die diesen Wandel möglich machen. Unternehmen, Kommunen, politische Entscheidungstragende und viele weitere Akteursgruppen finden darin Hinweise, wie sie ins konkrete Handeln kommen können und was sie priorisieren sollten. Die Veröffentlichung steht unter dem Motto „Jetzt handeln, jetzt Hürden abbauen, jetzt zusammenarbeiten" und ist kostenfrei online oder in gedruckter Form erhältlich.

Innenansicht Wegweiser Klimapositiver Gebäudebestand | Quelle: DGNB    

„Die Auswirkungen des Klimawandels sind heute bereits für viele Menschen wahrnehmbar und werden künftig alle betreffen", sagt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Das Klima zu stabilisieren, ist daher die große Aufgabe dieser Dekade. Die Bau- und Immobilienbranche spielt hierfür eine zentrale Rolle. Gebäude müssen von der größten CO2-Quelle zu aktiven Elementen der Bau- und Energiewende werden." Politisch wurden die entsprechenden Vorgaben erst kürzlich formuliert. So hat der Rat der EU-Mitgliedsstaaten im Oktober definiert, dass ab 2030 nur noch klimaneutrale Wohnhäuser gebaut werden dürfen. Der Gebäudebestand soll bis 2050 spätestens klimaneutral sein.

Damit diese Transformation gelingt, hat die DGNB als Europas größtes Netzwerk für nachhaltiges Bauen einen Wegweiser erarbeitet. Im ersten Teil schafft dieser eine gemeinsame Wissensgrundlage, indem wesentliche regulatorische Rahmenbedingungen auf Bundes- und EU-Ebene sowie der Status Quo der verursachten Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich in Deutschland aufgezeigt werden.

Vier strategische Ziele als Leitlinie für konkrete Handlungsfelder und Maßnahmen

Entlang von vier übergeordneten strategischen Zielen und dazugehörigen Handlungsfeldern werden im Weiteren die 50 wichtigsten Maßnahmen für den gemeinsamen Weg zu einem klimapositiven Gebäudebestand benannt. Dabei ist für jede Maßnahme definiert, für welche Akteursgruppe sie relevant ist. Angesprochen sind Bauherren und Eigentümer, Gebäudebetreibende und -verwaltende ebenso wie Planende, Bauausführende, Hersteller, Kommunen und die Wissenschaft. Auch politische Entscheidungstragende sowie Finanz- und Fördermittelgebende werden adressiert.

Die folgenden strategischen Ziele hat die DGNB in ihrem Wegweiser formuliert:

  • Emissionen des Energieverbrauchs eliminieren und mit erneuerbaren Energien einen positiven Beitrag zur Energiewende leisten
  • Werte des Bestands erhalten, Ressourceneinsatz minimieren und Gebäude lang und intensiv nutzen
  • Sanierungen und notwendige Neubauten emissionsfrei und mit klimapositiven Materialien realisieren
  • Politische und finanzielle Rahmenbedingungen für die Transformation schaffen

Zu den definierten Handlungsfeldern zählt beispielsweise, den Flächenbedarf zu reduzieren, den Bestand zu erhalten und als Rohstoffquelle zu nutzen oder mit Klimaschutzfahrplänen die Ist-Situation zu erfassen und Klimaneutralität gebäudeindividuell konkret zu planen. Auch das Plädoyer zum einfachen Bauen, zur Aufstockung und Nachverdichtung zählt zu den benannten Handlungsfeldern. Die Herstellung von klimaschutzgerechten, CO2-freien Materialien und Produkten sowie der Abbau von klimaschädlichen Subventionen sind weitere.

„Die Herkulesaufgabe für unsere Branche können wir nur meistern, wenn alle Akteurinnen und Akteure, die mit ihren Entscheidungen und ihrem Handeln einen Beitrag leisten können, dies auch tatsächlich tun", erklärt Dr. Anna Braune, Abteilungsleiterin Forschung und Entwicklung der DGNB und Projektleiterin des Wegweisers. „Wir müssen raus aus dem Abwarten und dem Beschweren über politische Rahmenbedingungen. Jede und jeder kann im eigenen Wirkungsbereich sofort aktiv werden!"

Dr. Anna Braune, Abteilungsleiterin Forschung und Entwicklung | Quelle: DGNB

Weiterführende Dokumente zum vertieften Arbeiten mit dem Wegweiser

Die in der Publikation benannten Top-50-Maßnahmen werden in einem zweiten, online verfügbaren Teil des Wegweisers noch einmal ausführlicher beschrieben. In diesem Dokument ist zudem die umfassende Sammlung aller relevanten Maßnahmen zu finden.

Für Eigentümer und Bestandshalter, Hersteller sowie Planende und Bauausführende finden sich in dem Online-Dokument „Mein Beitrag" zudem akteursspezifische Maßnahmenprogramme. Diese wurden von der DGNB gemeinsam mit Vertretern der Branche erarbeitet. Anwendende finden hier jeweils konkrete Zielbilder für das eigene Handeln, die wichtigsten zehn bis fünfzehn Maßnahmen zur sofortigen Umsetzung sowie weitere effektive Maßnahmen priorisiert entsprechend des eigenen Wirkungsbereichs. „Auf diesem Weg kommt jeder zu seiner individuellen Klimaschutz-To-Do-Liste", so Braune.

Der Wegweiser Klimapositiver Gebäudebestand sowie die weiterführenden Dokumente sind kostenlos auf der Website der Non-Profit-Organisation unter www.dgnb.de/wegweiser verfügbar. Erarbeitet wurde der Wegweiser im Rahmen des europäischen Verbundprojektes #BuildingLife. Dieses wurde im Vorfeld der Weltklimakonferenz COP26 vom World Green Building Council unter finanzieller Förderung von der IKEA Foundation und der Laudes Foundation ins Leben gerufen..

Zum Download Klimapositiver Gebäudebestand 

Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.

2007 gegründet, ist die DGNB heute mit rund 1.500 Mitgliedsorganisationen Europas größtes Netzwerk für nachhaltiges Bauen. Ziel des Vereins ist es, Nachhaltigkeit in der Bau- und Immobilienwirtschaft zu fördern und im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu verankern. Mit dem DGNB Zertifizierungssystem hat die unabhängige Non-Profit-Organisation ein Planungs- und Optimierungstool zur Bewertung nachhaltiger Gebäude, Innenräume und Quartiere entwickelt, das dabei hilft, die reale Nachhaltigkeit in Bauprojekten zu erhöhen. Dabei fußt das DGNB System auf einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis, das die Umwelt, den Menschen und die Wirtschaftlichkeit gleichermaßen einbezieht. Über die Fort- und Weiterbildungsplattform DGNB Akademie wurden zudem bereits fast 6.000 Personen in 45 Ländern zu Experten für nachhaltiges Bauen qualifiziert.

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