Untergrundprüfung

Teil 1 von 5

Das Gelingen einer Tapezierung ist maßgeblich von der Beschaffenheit und der fachgerechten Vorbereitung des Untergrundes abhängig. So steht es im BFS-Merkblatt Nr. 16 "Technische Richtlinien für Tapezier- und Klebearbeiten".

Folgende Schritte gilt es zu beachten:

 

1. Bedenkenanmeldung nach VOB

Dem Auftragnehmer obliegt nach VOB die allgemeine Beurteilung und Prüfung des Untergrundes. Hat der Auftragnehmer Bedenken gegen die vorgesehene Art der Ausführung, gegen die Güte der vom Auftraggeber gelieferten Bauteile oder Bedenken wegen Mängeln an Vorleistungen anderer Unternehmer, so hat er dies dem Auftraggeber unverzüglich, schon vor Beginn der Arbeiten, schriftlich mitzuteilen (Musterbrief siehe BFS-Merkblatt Nr. 20). Es kann sich bei der vorgeschriebenen Prüfung und Beurteilung des Untergrundes, hinsichtlich seiner Eignung für Beschichtungs- und Tapezierarbeiten, nur um die Feststellung sichtbarer oder anderweitig erkennbarer Mängel handeln, die durch baustellenübliche Prüfungen, wie z. B. Augenschein, Benetzungs- und Kratzproben, festgestellt werden können. Daher kann auch nur die Oberfläche eines Untergrundes beurteilt werden.
Sind Mängel sichtbar oder erkennbar, die zu Bedenken Anlass geben, ist es gegebenenfalls erforderlich, den Prüfungsumfang zu erweitern, damit die Bedenken beschrieben und begründet werden können.

2. Materialprüfungspflicht

Der Handwerker muss den Kunden darauf hinweisen, wenn er Bedenken gegen das vorgesehene Material hat. Er hat in diesen Fällen zu kontrollieren, ob die zum Einsatz kommenden Materialien für die Art der Aufgabe geeignet sind. Keine Prüfungspflicht besteht, wenn das zu verwendende Material durch einen sachkundigen Auftraggeber eindeutig vorgeschrieben wird und die geforderte Ausführung dem Stand der Technik entspricht.

 

4. Prüfung der Oberflächenfestigkeit/
Tragfähigkeit

Einfachste Methode ist die Kratz- oder Druckprobe: Treten beim Kratzen mit einem harten, kantigen Gegenstand (z. B. einem Spachtel, Spitze eines Schraubendrehers) bei mäßigem Druck Beschädigungen wie ein Ausplatzen der Kratzstelle auf, dann ist die Oberfläche zu weich.

Das ist auch der Fall, wenn sich bei einer Druckprobe mit dem Daumennagel die Druckstelle sichtbar markiert.

Wird beim Reiben mit der Hand über den Untergrund ein kreidender Abrieb festgestellt, muss diese Fläche gründlich mit Wasser abgewaschen werden.

Alte Dispersionsfarbenanstriche können mittels Klebebandtest auf ihre Tragfähigkeit geprüft werden: Dabei einen Streifen Klebeband fest auf die Anstrichfläche drücken und ruckartig abziehen.

Splittern bereits beim Abziehen Anstrichteile ab oder bleiben am abgezogenen Band deutliche Anhaftungen hängen, sollte dieser Anstrich entfernt werden.

Empfehlung

  • Lose und nicht tragfähige Flächen entfernen
  • Leicht kreidende und leicht sandende Putzoberflächen können mit einem Tapeziergrund, der die Saugfähigkeit reguliert und den Untergrund verfestigt, grundiert werden (z. B. Metylan Tapezier-Grund für Alte Putze, Beton).


3. Prüfung auf Feuchtigkeit

Feuchte Stellen z. B. in Putz- oder Betonuntergründen lassen sich oft anhand einer dunklen Verfärbung der Oberfläche erkennen. Dunklere Bereiche, Schimmelpilze oder Stockflecken weisen auf erhöhte Feuchtigkeit hin.


5. Prüfung auf Sinterschichten

Sinterschichten sind Bindemittelanreicherungen an der Oberfläche und verhindern eine feste Verklebung von Tapeten und Wandbelägen. Sie haben einen leichten Oberflächenglanz und eine geringe Saugfähigkeit.

Zur Prüfung den Putzuntergrund mit einem spitzen Gegenstand gitterförmig anritzen und mit Wasser benetzen.

Die Kratzspuren verfärben sich dunkler und auf der Sinterschicht perlt das Wasser ab.

Weiteres Vorgehen: Sinterschichten müssen mechanisch durch Abschleifen entfernt werden.

Untergründe müssen zum Zeitpunkt der Tapezierung trocken sein. Im Neubau ist bei Putzen im Allgemeinen eine Standzeit von mindestens sechs Wochen erforderlich. Den exakten Nachweis der Feuchtigkeitswerte, besonders in Grenzbereichen, liefert ein Feuchtigkeitsmessgerät.

Effektiv ist ebenfalls die Folienprobe, die z. B. zur längerfristigen Beobachtung in verschiedenen Räumen eines Objekts durchgeführt werden kann. Restfeuchte zeigt sich nach 12 bis 24 Stunden in Form von Kondenswasser hinter der Folie. In diesem Fall muss die Feuchtigkeit durch Heizen und vor allen Dingen Lüften vollständig abtrocknen.

Darüber hinaus gibt es die durch bautechnische Mängel verursachte Feuchtigkeit im Untergrund, z. B. aufsteigende oder durchschlagende Feuchtigkeit. Solche Mängel machen eine ordnungsgemäße Tapezierung unmöglich.

Weiteres Vorgehen: Ursachen der Feuchtigkeit beseitigen, abtrocknen lassen, gegebenenfalls heizen und lüften, Nachprüfungen durchführen

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